10/06/2026
Vor 1962 – eine Küste, die niemand kannte
Was heute Porto Cervo ist, hiess bei den Einheimischen «Monti di Mola» oder auf Sardisch «Poltu mannu» – der grosse Hafen. Eine handvoll Familien aus der Gegend der Gallura bewirtschaftete das Land. Es gab keine Strassen, keine Hotels, keine Infrastruktur. Die Küste, die sich auf etwa 55 Kilometern zwischen Liscia di V***a im Norden und dem Golf von Cugnana im Süden erstreckte, war ein grossteils unzugängliches Labyrinth aus Granitbuchten, Macchia-Landschaften, rosafarbenen Felsen und türkisblauem Wasser – eine der unberührtesten Küstenlandschaften des gesamten Mittelmeers.
Sardinien insgesamt war in den frühen 1960er Jahren eines der ärmsten Gebiete Italiens. Die Ostküste – Ogliastra, die Barbagia-Berge, die Gallura – galt als das rückständigste Gebiet der rückständigsten Region. Malaria war innerhalb der vorangegangenen Generation ausgerottet worden. Strom erreichte viele Dörfer erst in den 1950er Jahren. Tourismus gab es auf der Insel kaum. Die Strassen, die zur Nordostküste führten, waren Schotterwege.
Das Licht, die Farben des Meeres und die Transparenz des Wassers, die durch Meereserosion aufgeweichten Formen der Granitfelsen, der Duft des Wacholders und die Stille einer fast unbewohnten Gegend – das war die Visitenkarte, die niemand geschrieben hatte, weil sie niemand kannte.
Die Entdeckung dieser Küste durch den Aga Khan soll – wie alle grossen Gründungslegenden – zufällig gewesen sein. Prinz Karim al-Hussaini Aga Khan IV., der seit 1957 als 49. Imam der Ismailitischen Schiiten fungierte und durch sein enormes Privatvermögen und seinen Unternehmergeist bekannt war, hielt auf einer Segelreise in der Bucht von Nord-Sardinien an. Die Legende besagt, er habe sich auf den ersten Blick verliebt – in das Wasser, die Stille, die Felsen und die Abwesenheit allem Massentouristischen. Was aus diesem ersten Blick folgte, war eine der bedeutendsten privaten Investitionsentscheidungen in der Geschichte des europäischen Tourismus.
https://beachcom.ch/costa-smeralda-wie-ein-prinz-eine-wildkuste-zur-legende-machte/