01/10/2013
Kinder philosophieren - Diogenes
Hier ging es nicht um Philosophiegeschichte, sondern um das Philosophieren an sich.
Zur Einführung in das Philosophieren erzählte ich das Gleichnis von den 10 blinden Männern, die versuchen einen Elefanten zu ertasten. Sie streiten, denn jeder erkennt nur einen Aspekt. Jeder der Männer hat Recht. Aber nur wenn sie zusammenarbeiten können sie den Elefanten erkennen.
Darum machen wir jetzt eine Denkrunde.
Die blinden Männer sind wie die einzelnen Fächer und die Wissenschaften. In der Philosophie geht es um Alles, den ganzen Elefanten.
Einer der Schüler wusste die Anekdote zu erzählen von Diogenes, dem in freiwilliger Armut lebenden Philosophen, und Alexander dem Großen, dem damals mächtigsten Mann Eurasiens. Diogenes saß in der Sonne, als Alexander ihm einen Wunsch freistellte. Diogenes bat ihn nur ihm etwas aus der Sonne zu gehen.
Daraus entwickelte sich das Thema der Denkrunde: Macht Reichtum frei oder Armut?
Neben moderaten Positionen gab es auch extreme Gedankenansätze: Nur der Dementor aus Harry Potter ist frei, denn der hat nicht einmal mehr eine Seele. Wären Vampire dann auch frei? Nein sie brauchen ihren nächsten Drink. (Haben Sie heute schon etwas getrunken? Nur drei Radler). So kann Freiheit nicht aussehen.
Oder: Die ganze Welt ist ein Gefängnis, denn wir könne nicht weg. Wären dann Astronauten frei?
Es gab eine eingehende Diskussion. Am Ende kamen die Schüler zu dem Schluss dass es gleich ist, also unentschieden. Man ist frei wenn man Alles hat, denn dann kann man Alles machen was man will.
Und man ist auch frei wenn man gar nichts hat. Denn dann braucht man sich auch nichts kümmern.
Beides trifft zu.
Ein Schüler bemerkte traurig dass sein Vater nicht mehr philosophieren könne, dazu sei er zu sehr in sein Spezialfach verstrickt. Unter den Kindern gab es durchaus Begeisterung für das Philosophieren.