09/09/2026
Heute habe ich persönlich keine Lust zu helfen.
Nicht, weil ich die Familien nicht verstehe. Im Gegenteil. Ich weiß, wie groß die Angst ist, keinen Kurplatz zu finden und wie verzweifelt viele inzwischen suchen. Und ich bin erschüttert, wie sehr gerade versucht wird, eine Pflichtleistung durch subtiles Handeln, abzuschaffen. Aber dazu an anderer Stelle mehr.
Aber ich bin heute insbesondere traurig.
Wir machen Gewinnspiele, schalten Werbung, besuchen Kliniken auf eigene Kosten, bilden neue Beraterinnen aus und versuchen auch die Familien weiter mitzunehmen, bei denen andere Beratungen längst ablehnen – Kinder mit Pflegegrad, Behinderung oder schwierigeren Konstellationen.
Unsere Kurplatzsuche kostet die Eltern nichts. Wir sind eine der ganz wenigen Beratungen, die das umsonst anbieten und überhaupt noch Eltern mit einem Kind betreuen, mit Pflegegraden und vielem mehr, was uns die Suche massiv schwierig macht, weil es einfach keine passenden Kliniken gibt.
Und trotzdem erleben wir immer häufiger, dass parallel mehrere Beratungen beauftragt werden, selbst reserviert wird oder alles bestellt wird und selbst auf Rückfrage! einfach keine Rückmeldung mehr kommt. Eine Mail zu schreiben, ich brauche das nicht mehr oder ich brauche noch etwas Zeit, ist die Mindestanforderung, die wir uns erwarten.
Zunehmend wird einer KI oder einer Internetrecherche mehr vertraut als Menschen, die seit Jahren täglich mit Kliniken und Krankenkassen arbeiten. Und zunehmend wird vergessen, dass es sich um eine medizinisch bezahlte Leistung der Krankenkasse handelt. Da kommen Anforderungen die komplett an dem vorbei gehen, was eine Kur leisten kann und man wird beschimpft! wenn man dies kommuniziert. Wo sind wir denn hier gelandet?
Wir haben gemeinsam mit unserer Kooperationsberatung rund 700 Anträge verschickt in 5 Wochen und aktuell etwa 80 Kurplatzsuchen angeboten. Rückmeldung? Tendenz gegen 0!. Warum fehlt die Zeit zu schreiben, ach brauche ich doch nicht? Wir fragen ja extra noch mal nach. Selbst da, nichts. Gestern wurden wir am Handy mehrfach blockiert, obwohl der Wunsch war, ein Anruf und die Handynummer angegeben war. Verstehe ich nicht. Wir brauchen doch auch eine Planungssicherheit, weil wir auch nur beschränkte Kapazitäten haben. Bei einer kostenpflichtigen Leistung, käme man ja selbst darauf sich zu melden.
Hinter jedem einzelnen Fall sitzt ein Mensch, der Zeit investiert, recherchiert, telefoniert und versucht, eine Lösung zu finden. Gerade 11 Berater, die unentgeltlich wahnsinnig viel Zeit investieren sich einzuarbeiten. Ein Schlag ins Gesicht für uns alle. Und das stinkt mir, weil es eine Minute dauert, eine kurze Rückmeldung zu geben und selbst die sind wir nicht mehr wert. Und es geht nicht nur unserer Beratung so. Wir sind alle die wir uns austauschen erschrocken, wo denn der Respekt hingegangen ist.
Natürlich darf man sich umentscheiden. Natürlich darf man selbst weitersuchen. Und natürlich darf man auch eine andere Beratung wählen. Ich wünsche mir nur, dass man dabei nicht vergisst, dass auf der anderen Seite ebenfalls Menschen sitzen.
Denn irgendwann entsteht bei denen, die helfen wollen, das Gefühl, dass all diese Arbeit selbstverständlich geworden ist. Und keinen Wert hat. Und genau das macht mich heute einfach sauer.
Nicht auf die Eltern, die Hilfe brauchen.
Sondern auf eine Entwicklung, bei der Wertschätzung und Verbindlichkeit immer mehr verloren gehen.
Denn wenn wir möchten, dass es solche kostenlosen Hilfen auch in Zukunft noch gibt, müssen wir auch sorgsam mit ihnen umgehen.
Und genau das ist verloren gegangen. Und mir ist klar, dass ich das nicht mit einem Post zurückholen werde, dass solche Posts auf Dauer nerven. Aber vielleicht erreicht es doch den ein- oder anderen, der sagt, ja stimmt, so eine ganz kurze Rückmeldung tut nicht weh und hat etwas mit Respekt und Wertschätzung zu tun.
Morgen habe ich mich wieder gefangen, aber das musste raus, auch für meine Berater, die gerade dabei sind, die Lust zu verlieren und das macht mich am meisten traurig, dass gutes Wirken verloren geht, weil die Wertschätzung gegenüber einer kostenfreien Leistung, verloren gegangen ist.
Unsere Türen stehen ab morgen wieder weiterhin jedem offen, der uns den Respekt entgegen bringt, den er selbst erwartet.
Sorry für den langen Text, ich hasse lange Texte, aber es ist wichtig zu sensibilisieren, dass es so in der Form nicht weiter gehen kann.