Naturheilpraxis für Hunde - Tierheilpraktikerin Sabine Bernardy

Naturheilpraxis für Hunde  - Tierheilpraktikerin Sabine Bernardy Tierheilpraxis für Hunde – Spezialisierung auf Ernährung und komplexe chronische Erkrankungen

04/09/2026
OHRENTZÜNDUNGEN  sind nicht immer offensichtlichIn einer 2026 veröffentlichten Studie wurden 352 kleine Hunde mit einer ...
17/08/2026

OHRENTZÜNDUNGEN sind nicht immer offensichtlich

In einer 2026 veröffentlichten Studie wurden 352 kleine Hunde mit einer Cone-Beam-CT untersucht, einem dreidimensionalen Röntgenverfahren, mit dem sich unter anderem die feinen knöchernen Strukturen des Kopfes und der Ohren detailliert darstellen lassen

Eigentlich waren die Hunde wegen einer Zahnbehandlung vorgestellt worden. Trotzdem fanden die Untersucher bei 42,6 Prozent Veränderungen an den Ohren. Bei 112 von 240 Hunden, deren Halter in den zwei Wochen zuvor keine Ohrprobleme bemerkt hatten, waren solche Veränderungen vorhanden.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen in der Praxis. Manchmal erzählen Halter, dass ihr Hund seit einiger Zeit etwas unangenehm riecht. Die Ursache kann im Ohr sitzen. Eine Ohrentzündung macht sich nicht immer sofort durch starkes Kratzen oder häufiges Kopfschütteln bemerkbar. Auch ein veränderter Geruch, mehr Ohrenschmalz, feuchtes Sekret oder eine Rötung können auffallen.

Ein weiteres Problem ist die zu früh beendete Behandlung. Geruch und Juckreiz verschwinden oft, bevor sicher feststeht, dass die Entzündung vollständig abgeheilt ist. Mit einer Ohrzytologie lässt sich das kontrollieren: Sekret aus dem Gehörgang wird unter dem Mikroskop auf Entzündungszellen, Hefen und Bakterien untersucht. Eine Kontrollzytologie nach der Behandlung zeigt, ob der ursprüngliche Befund tatsächlich zurückgegangen ist.

Bleibt eine Entzündung bestehen oder kehrt immer wieder zurück, kann sich der Gehörgang dauerhaft verändern. Die Haut verdickt sich, der Gehörgang wird enger und Sekret kann schlechter abfließen. Bei länger bestehenden Erkrankungen kann auch das Mittelohr betroffen sein. In der aktuellen Studie wurden bei 30 der 352 Hunde Veränderungen des Mittelohrs gefunden.

Wiederkehrende Ohrentzündungen brauchen deshalb neben der konsequenten Behandlung auch eine Ursachenklärung. Häufig spielen Allergien eine Rolle; möglich sind außerdem Fremdkörper, Feuchtigkeit, Bakterien, Hefen oder anatomische Veränderungen.

Quelle: Haghighat M et al. Prevalence of ear disease in small-breed dogs undergoing cone-beam computed tomography for dental procedures. Front Vet Sci. 2026;13:1822570. doi: 10.3389/fvets.2026.1822570

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INFORMIERT ENTSCHEIDENHundehalter treffen ständig Entscheidungen. Manchmal geht es um ein neues Futter, manchmal um eine...
08/08/2026

INFORMIERT ENTSCHEIDEN

Hundehalter treffen ständig Entscheidungen. Manchmal geht es um ein neues Futter, manchmal um eine Untersuchung, ein Medikament, eine Operation oder den Umgang mit einer chronischen Erkrankung. Und fast immer gibt es dazu mehr als eine Meinung.
Vieles begegnet einem ganz nebenbei. Auf der Hundewiese erzählt jemand von einem Mittel, das beim eigenen Hund hervorragend geholfen hat. Die Nachbarin kennt einen ähnlichen Fall. In einer Facebook-Gruppe werden innerhalb weniger Stunden zehn verschiedene Empfehlungen gegeben. Dazu kommen Internetseiten, Podcasts, Herstellerinformationen, Erfahrungen anderer Hundehalter und die Einschätzungen von Tierärzten, Tierheilpraktikern und anderen Fachleuten.

Das Problem ist oft nicht zu wenig Information, sondern die Menge, und die Frage, was davon für den eigenen Hund überhaupt relevant ist. Ein Erfahrungsbericht kann wertvoll sein, ist aber letztendlich die Erfahrung mit einem anderen Hund. Ähnliche Symptome können unterschiedliche Ursachen haben. Ein Präparat kann bei einem Hund sinnvoll sein und beim nächsten am eigentlichen Problem vorbeigehen oder gar schaden. Auch ein auffälliger Laborwert erklärt für sich genommen noch keinen Krankheitsverlauf.

Informiert entscheiden zu können bedeutet deshalb zunächst, Informationen einzuordnen. Darin sehe ich einen wichtigen Teil meiner Arbeit als Tierheilpraktikerin. Wenn mir ein Hund vorgestellt wird, geht es nicht nur darum, welche naturheilkundliche Behandlung infrage kommt. Ich verschaffe mir zunächst einen Überblick über den gesamten Fall.
Dazu gehören eine ausführliche Anamnese, vorhandene Befunde und Laborwerte, bisherige Diagnosen, Medikamente, Fütterung, Nahrungsergänzungen und bereits durchgeführte Therapien. Wichtig ist auch der zeitliche Verlauf: Wann begann etwas, was veränderte sich danach, was wurde zwischenzeitlich untersucht oder behandelt?

Zur Einordnung gehört für mich auch Diagnostik. Schulmedizinische Befunde können dafür ebenso wichtig sein wie naturheilkundliche diagnostische Verfahren. Nicht immer ist zu Beginn alles vorhanden, was für eine vernünftige Beurteilung benötigt wird. Dann gilt es, diese Lücken zu erkennen und weitere Diagnostik anzuregen, wenn sie für das weitere Vorgehen relevant ist.

Besonders wichtig wird der Überblick bei längeren Krankheitsgeschichten. Über Monate oder Jahre sammeln sich Befunde, Behandlungen und unterschiedliche Einschätzungen an. Medikamente wurden begonnen und wieder abgesetzt, das Futter mehrfach verändert, verschiedene Präparate ausprobiert. Dann muss nachvollziehbar werden, was wann festgestellt wurde, welche Befunde zum aktuellen Krankheitsbild gehören, welche aus einer anderen Phase stammen, welche Veränderungen unter einer bestimmten Behandlung auftraten und welche diagnostischen Fragen noch offen sind. Auch ältere Unterlagen können dabei wieder Bedeutung bekommen.

So entwickelt sich die Beratung. Ich erkläre Befunde und Zusammenhänge, bespreche Möglichkeiten und gebe konkrete Empfehlungen. Dazu können weitere Diagnostik, eine naturheilkundliche Behandlung, eine Veränderung der Ernährung oder die Empfehlung gehören, einen bestimmten Punkt tierärztlich weiter abklären zu lassen.

Naturheilkunde bildet die Grundlage meiner therapeutischen Arbeit. Therapie bedeutet für mich aber nicht, möglichst viele Mittel einzusetzen. Auswahl, Kombination und Zeitpunkt müssen zum Hund, zum Befund und zur jeweiligen Situation passen. Meine Therapie- und Futterpläne entstehen deshalb aus der vorherigen Einordnung und werden bei Bedarf im Verlauf angepasst.

Beratung bedeutet nicht, dem Hundehalter die Entscheidung abzunehmen. Er lebt mit seinem Hund, beobachtet ihn täglich und trägt letztlich die Verantwortung für die Entscheidungen, die getroffen werden. Dafür braucht er verständliche Informationen, eine fachliche Einschätzung und jemanden, mit dem sich unterschiedliche Möglichkeiten abwägen lassen.
So verstehe ich einen wesentlichen Teil meiner Arbeit.



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10/07/2026

FELLMINERALANALYSE beim Hund – sinnvoll oder Geldverschwendung?

Heute flatterte mir der Newsletter eines bekannten Veterinärlabors ins Postfach.
Thema: Fellmineralanalysen beim Hund. Beworben wird die Untersuchung ausdrücklich unter Berufung auf aktuelle wissenschaftliche Studien. Also habe ich mir genauer angesehen, was diese Studien tatsächlich belegen.
Im Fell lassen sich Eisen, Zink, Kupfer und andere Elemente präzise messen. Das ist unstrittig. Die entscheidende Frage lautet aber: Kann man daraus beim einzelnen Hund zuverlässig einen Mineralstoffmangel, eine toxische Belastung oder einen Therapiebedarf ableiten?
Besonders aufschlussreich ist eine 2026 publizierte und im Newsletter zitierte Studie von Badea et al. Untersucht wurden 57 klinisch gesunde Hunde und 68 klinisch gesunde Katzen. Gemessen wurden Eisen, Zink und Kupfer im Haar; geprüft wurden Einflüsse von Alter, Geschlecht, Fütterungsart und Innen- oder Außenhaltung.
Das Ergebnis passt nicht zu einer Mangeldiagnostik: Die Fütterungsart hatte bei den Hunden keinen signifikanten Einfluss auf die Fellwerte von Eisen, Zink oder Kupfer. Der deutlichste Unterschied betraf die Umwelt. Außen gehaltene Hunde hatten einen medianen Eisenwert von 312,21 µg/g, innen gehaltene Hunde nur 78,31 µg/g – nahezu das Vierfache. Die Autoren diskutieren Boden, Staub und Umweltpartikel als mögliche Erklärung. Ein hoher Fellwert kann also Umwelteinflüsse widerspiegeln und ist nicht automatisch Ausdruck eines erhöhten inneren Eisenstatus.
Noch problematischer: Der mediane Eisenwert gesunder Hunde lag in dieser Studie bei 168,29 µg/g. Frühere Untersuchungen fanden bei ebenfalls gesunden Hunden etwa 28 µg/g. Die Autoren weisen selbst auf diesen ungefähr sechsfachen Unterschied hin. Gleichzeitig existiert kein allgemein akzeptiertes Waschprotokoll für Fellproben. Äußere Anhaftungen sollen entfernt werden, ohne Elemente aus der Haarstruktur zu beeinflussen. Auch Rasse, Haarfarbe und tatsächliche Nährstoffzufuhr sind nicht ausreichend geklärt.

Damit stellt sich die praktische Frage: Auf welcher validierten Grundlage wird der Wert eines einzelnen Hundes als „zu niedrig“, „normal“ oder „zu hoch“ eingestuft?
Auch die weiteren zitierten Studien beantworten diese Frage nicht. Eine Arbeit untersuchte vier geklonte Arbeitshunde in unterschiedlichen Umwelten – interessant für Umwelt- und Expositionsforschung, aber keine Validierung eines Mangeltests.
Eine andere fand bei nur neun Hunden mit medialer Koronoiderkrankung Unterschiede einzelner Haarelemente gegenüber Kontrollen. Das zeigt eine Assoziation, aber weder Ursache noch diagnostische Zuverlässigkeit oder Nutzen einer Supplementierung. Eine aktuelle Studie verglich acht ängstliche Hunde mit 21 Kontrollen. Auch Gruppenunterschiede im Haarprofil beweisen nicht, dass ein Mineralstoffmangel Angst verursacht oder nach Fellwerten behandelt werden sollte.

Bemerkenswert ist die zitierte Humanstudie von Shahverdian et al. 2025: Beim Vergleich von Mineralstoffwerten in Blut und Haar gesunder Erwachsener ließ sich gerade KEINE überzeugende Beziehung zwischen beiden etablieren. Auch die Einteilung in niedrige, normale und hohe Werte stimmte nicht überzeugend überein.

Der Verweis auf Forensik und Drogentests hilft ebenfalls nicht weiter. Haare sind für bestimmte Substanzen und klar definierte Fragestellungen geeignet. Ein Drogennachweis im Haar beantwortet aber eine andere biologische Frage als die Diagnose eines funktionellen Zink-, Kupfer- oder Natriummangels.

Was die Messungen NICHT zeigen ist, dass ein Fellprofil beim einzelnen Hund zuverlässig einen behandlungsbedürftigen Mangel, eine klinisch relevante Vergiftung oder einen konkreten Therapiebedarf erkennt.

Zeigt ein Fellprofil „zu wenig Zink“, „zu wenig Natrium“ oder erhöhte Metallwerte, ist damit keine Diagnose gestellt. Bei Verdacht auf Unterversorgung muss die tatsächliche Ration geprüft werden; bei möglicher Malabsorption die zugrunde liegende Erkrankung; bei konkretem Vergiftungsverdacht toxikologisch untersucht werden. Aus einem Fellwert allein sollten weder Spurenelemente noch Salz oder sogenannte „Entgiftungsmaßnahmen“ abgeleitet werden.

Quellen:
Badea E, Goran GV, Țoca C. Determinants of iron, zinc, and copper concentrations in the hair of dogs and cats. Journal of Trace Elements in Medicine and Biology. 2026;94:127826. doi: 10.1016/j.jtemb.2026.127826.

Lee S, Oh MH, Kim JH, et al. Workplace-related environmental exposure and its potential influence on hair mineral and gut microbiota in cloned working dogs. Journal of Veterinary Medical Science. 2025;87(10):1141–1148. doi: 10.1292/jvms.25-0130.

Davies M, West J, Williams C, Gardner DS. Mineral status in canine medial coronoid process disease: a cohort study using analysis of hair by mass spectrometry. Veterinary Record. 2017;180(18):448. doi: 10.1136/vr.103953.

Çevik Ç, Kurt BO, Bilgiç B, Or ME, Ercan AM. The Chronic Metabolic Fingerprint of Canine Anxiety: Hair Trace Element Dyshomeostasis and the Dissociation of Behavioral Recovery via Hericium erinaceus. Biological Trace Element Research. 2026. doi: 10.1007/s12011-026-05107-4.

Shahverdian A, Torabzadeh S, Watts D, et al. Comparison of Mineral Levels in Blood and Hair Samples of Healthy Adults: Evaluating the Clinical Utility of Hair Mineral Analysis. Biological Trace Element Research. 2025. doi: 10.1007/s12011-025-04793-w.

Bali V, Khajuria Y, Maniyar V, et al. Quantitative analysis of human hairs and nails. Biophysical Reviews. 2023;15:401–417. doi: 10.1007/s12551-023-01069-2.

Die Lasertherapie ist auch in meiner Praxis ein wichtiger Bestandteil der Behandlung – insbesondere bei schmerzhaften un...
08/07/2026

Die Lasertherapie ist auch in meiner Praxis ein wichtiger Bestandteil der Behandlung – insbesondere bei schmerzhaften und entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie zur Unterstützung der Geweberegeneration. Ein lesenswerter Beitrag der Tierklinik Hofheim zu den Einsatzmöglichkeiten dieser Therapieform.

„DIE NARBE SIEHT GUT AUS“ Diesen Satz höre ich in meiner Praxis häufig, nachdem ein Hund operiert wurde. Gemeint ist mei...
06/07/2026

„DIE NARBE SIEHT GUT AUS“

Diesen Satz höre ich in meiner Praxis häufig, nachdem ein Hund operiert wurde. Gemeint ist meist: Die Haut ist geschlossen, die Narbe ist blass, es gibt keine Rötung, keine Schwellung und keine sichtbare Entzündung.

Das ist wichtig, aber es sagt wenig darüber aus, wie sich das Gewebe unter der Haut verhält.

Bei der Untersuchung zeigt sich nicht selten ein anderer Befund. Die Haut lässt sich neben der Narbe frei verschieben, direkt über einem Abschnitt kaum. Unter einer äußerlich feinen Narbe ist ein derber Strang tastbar. Der Hund toleriert senkrechten Druck, reagiert aber auf vorsichtigen seitlichen Hautzug. Ein Narbenende ist weich und beweglich, das andere deutlich fixiert.

Eine Operation durchtrennt nicht nur die sichtbare Haut. Je nach Eingriff werden Unterhaut, Bindegewebe, Faszien, Muskelhüllen oder weitere Gewebeschichten eröffnet, verschoben und wieder verschlossen. Kleine Gefäße und Nervenäste werden verletzt. Im Operationsgebiet entsteht eine Entzündungs- und Reparaturreaktion. Der Körper stabilisiert den Defekt mit neu gebildetem Gewebe, dessen Struktur nicht vollständig der ursprünglichen Gewebearchitektur entspricht.

Gewebeschichten, die sich vorher gegeneinander verschieben konnten, können schlechter gleiten. Zug wird anders weitergeleitet. Einzelne Bereiche werden fester, weniger elastisch oder gegenüber tieferen Schichten schlechter beweglich. Das muss äußerlich nicht sichtbar sein.

Deshalb gehört die Narbe in meiner Praxis zur Untersuchung. Ich beurteile nicht nur die sichtbare Linie, sondern das gesamte Operationsgebiet: Wie lässt sich die Haut verschieben? Gibt es Unterschiede zwischen Längs- und Querrichtung? Ist ein Abschnitt fixiert? Reagiert der Hund auf Druck anders als auf seitlichen Zug? Gibt es Verdickungen, Einziehungen oder deutliche Unterschiede zum umgebenden Gewebe?

Wenn sich ein auffälliger Befund zeigt und medizinische Gegenanzeigen ausgeschlossen sind, behandle ich Narben je nach Gewebezustand unter anderem manuell und mit therapeutischem Laser.

Der therapeutische Laser wirkt auf einer anderen Ebene. Bei der Photobiomodulation dringt rotes oder nahinfrarotes Licht in das Gewebe ein und trifft dort auf lichtempfindliche Zellbestandteile. Dadurch können sich Energieproduktion und Signalwege der Zellen verändern. Für geschädigtes oder im Umbau befindliches Gewebe ist das relevant: Entzündungsreaktionen, lokale Reparaturprozesse, Aktivität von Bindegewebszellen und Umbau der Gewebematrix können beeinflusst werden. Der Laser löst also keine Narbe auf. Er setzt einen dosierten biologischen Reiz, der die noch aktiven Zellen im Narben- und Randgewebe bei Reparatur- und Umbauprozessen beeinflussen kann.

Warum ist der mechanische Zustand einer Narbe biologisch relevant? Zellen reagieren auf ihre physikalische Umgebung. Sie registrieren Zug, Druck, Dehnung, Scherkräfte und die Steifigkeit des umgebenden Gewebes und übersetzen diese Reize in biologische Signale. Dieser Vorgang heißt Mechanotransduktion.

Für eine Zelle ist mechanischer Stress deshalb nicht nur Belastung. Er ist Information.

Wie weit diese Information reichen kann, zeigt aktuelle Grundlagenforschung. Die Zellbiologin Sara Wickström und ihr Team untersuchen den Einfluss mechanischer Kräfte auf Zellen. Eine 2025 in „Nature Cell Biology“ veröffentlichte Arbeit zeigt, dass mechanische und osmotische Signale den Zustand des Chromatins und Übergänge zwischen Zellzuständen beeinflussen können. Vereinfacht gesagt: Die physikalische Umgebung einer Zelle kann bis in Prozesse hineinwirken, die mit Genregulation und Zellverhalten verbunden sind.

Wenn ein Gewebe dauerhaft steifer ist, schlechter gleitet oder Zug anders verteilt, verändert sich die mechanische Umgebung der dortigen Zellen. Eine Narbe ist damit nicht nur ein sichtbarer Rest einer früheren Verletzung. Sie kann ein verändertes mechanisches Mikromilieu darstellen, auf das Zellen biologisch reagieren.

Die zugrunde liegende Forschung stammt aus der Human- und Grundlagenforschung. Sie wurde nicht an Operationsnarben von Hunden durchgeführt und beweist weder die Wirksamkeit einer bestimmten Narbenmassage noch eine epigenetische Wirkung der Laserbehandlung. Biologisch ableitbar ist jedoch der zentrale Mechanismus: Mechanische Gewebeverhältnisse können Zellverhalten beeinflussen, und diese Signalwirkung kann bis in die Regulation von Genaktivität reichen.

# # # Beispiel 1: Die Kastrationsnarbe

Eine Hündin wurde vor Monaten kastriert. Die Narbe ist schmal, blass und vollständig geschlossen. Die Halterin sagt: „Da ist alles gut verheilt.“

Bei der Untersuchung lässt sich die Haut oberhalb der Narbe frei verschieben. Über einem kaudalen Abschnitt ist die Querverschieblichkeit deutlich reduziert. Senkrechten Druck toleriert die Hündin, bei vorsichtigem seitlichem Zug dreht sie reproduzierbar den Kopf zur Hand und spannt die Bauchwand an.

Dieser Befund beweist nicht, dass die Narbe Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme oder eine Fehlhaltung verursacht. Er zeigt eine lokale mechanische Auffälligkeit mit reproduzierbarer Reaktion.

# # # Beispiel 2: Die Kaiserschnittnarbe

Die Halterin berichtet, ihre Hündin lasse sich am Bauch problemlos anfassen, werde aber beim Bürsten oder bei seitlichem Hautzug unruhig. Sichtbar ist an der alten Kaiserschnittnarbe nichts Auffälliges.

Bei der Palpation ist die eigentliche Narbenlinie weich. Ein Bereich daneben lässt sich gegenüber dem Untergrund jedoch deutlich schlechter verschieben. Das ist praxisrelevant, weil Gewebeumbau nicht an der sichtbaren Linie enden muss. Wer nur die Narbe selbst betrachtet, kann den auffälligen Bereich übersehen.

# # # Beispiel 3: Die Tumoroperationsnarbe

Nach Entfernung eines Hauttumors ist eine Narbe eingezogen und schlecht beweglich. Hier wäre es falsch, automatisch von einer „Verklebung“ auszugehen, die man wegmassieren könne.

Durch die Operation kann Gewebevolumen fehlen und die lokale Anatomie dauerhaft verändert sein. Zusätzlich müssen bei einem onkologischen Patienten neue Knoten, zunehmende Verhärtung oder Veränderungen des Operationsgebietes diagnostisch abgeklärt werden. Erst wenn pathologische Ursachen ausreichend ausgeschlossen sind, lässt sich beurteilen, ob überhaupt eine behandelbare mechanische Restriktion vorliegt.

Eine alte Operationsnarbe wird deshalb in meiner Praxis nicht allein nach ihrem Aussehen beurteilt. Entscheidend sind Verschieblichkeit in mehreren Richtungen, Gewebespannung, Verdickungen, Einziehungen, Reaktionen auf Druck und seitlichen Zug sowie der Übergang zum umgebenden Gewebe. Daraus ergibt sich, ob eine Behandlung sinnvoll ist und ob manuelle Mobilisation, Laserbehandlung oder eine Kombination infrage kommt.

Quellen:

McCreery KP et al. (2025): „Mechano-osmotic signals control chromatin state and fate transitions in pluripotent stem cells.“ Nature Cell Biology 27: 1757–1770. DOI: 10.1038/s41556-025-01767-x.

Dompe C et al. (2020): „Photobiomodulation—Underlying Mechanism and Clinical Applications.“ Journal of Clinical Medicine 9(6): 1724. DOI: 10.3390/jcm9061724.

Millis DL, Bergh A. (2023): „Laser Therapy.“ Systematische Übersicht zur Licht- und Lasertherapie bei Pferden, Hunden und Katzen. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice.

Hoisang S et al. (2021): „Assessment of wound area reduction on chronic wounds in dogs with photobiomodulation therapy: A randomized controlled clinical trial.“ Veterinary World 14: 2251–2259. DOI: 10.14202/vetworld.2021.2251-2259.

Lopes A et al. (2025): „The Effect of a Class IV Therapeutic LASER on Post-Surgical Wound Healing in Dogs and Cats.“ Klinische Untersuchung zur postoperativen Wundheilung.



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PROBIOTIKA beim Hund: Helfer auf Zeit statt neue DarmbewohnerFehlende gute Darmbakterien zuführen und damit die Darmflor...
31/05/2026

PROBIOTIKA beim Hund:
Helfer auf Zeit statt neue Darmbewohner

Fehlende gute Darmbakterien zuführen und damit die Darmflora wieder auffüllen. So wird die Wirkung von Probiotika häufig beschrieben.

Probiotische Bakterien können während der Gabe im Kot nachweisbar sein, aber nach dem Absetzen nehmen sie meist wieder ab. Wir sprechen also nicht über eine dauerhafte Besiedlung, sondern von einer vorübergehende Wirkung.

Diese Wirkung kann trotzdem relevant sein.

Probiotika können mit unerwünschten Keimen um Nährstoffe und Anheftungsstellen konkurrieren. Einige Stämme bilden Stoffwechselprodukte, die das Darmmilieu beeinflussen. Außerdem können sie mit der Darmschleimhaut und dem darmassoziierten Immunsystem interagieren.

Besonders wichtig ist die Schleimhautbarriere. Die Darmschleimhaut ist keine passive Wand, sondern eine sehr aktive Grenzfläche: Schleimschicht, Epithelzellen, enge Zellkontakte, Immunzellen und mikrobielle Stoffwechselprodukte arbeiten zusammen. Ziel ist nicht Abdichtung im mechanischen Sinn, sondern Regulation der Barrierefunktion: weniger überschießende Entzündung, stabilere Schleimhautantwort, bessere Kontrolle darüber, was aus dem Darminhalt mit dem Körper in Kontakt kommt.

Präbiotika wirken anders. Sie enthalten keine lebenden Keime, sondern Substrate, die von vorhandenen Mikroorganismen genutzt werden können. Dadurch können sich Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren verändern. Diese sind für die Ernährung von Darmzellen, das lokale Milieu und die Barrierefunktion relevant. Präbiotika bringen lso keine Bakterien in den Darm, sondern verändern die Bedingungen für bereits vorhandene Mikroben.

Postbiotika enthalten keine lebenden Bakterien. Hier geht es um inaktivierte Mikroorganismen, Zellbestandteile oder damit verbundene Stoffwechselprodukte. Sie können Signale an Schleimhaut- und Immunzellen vermitteln, ohne dass sich ein Keim vermehren oder ansiedeln muss.

Probiotika sind also keine dauerhaften neuen Darmbewohner. Sie wirken, wenn sie wirken, vor allem während der Gabe, über mikrobielle Konkurrenz, Stoffwechselaktivität, Schleimhautbarriere und Immunmodulation.

Quellen:

Hill C. et al. (2014): ISAPP Consensus Statement on the Scope and Appropriate Use of the Term Probiotic. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24912386/

Gibson G.R. et al. (2017): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28611480/

Salminen S. et al. (2021): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Postbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33948025/

Swanson K.S. et al. (2020): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Synbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7581511/

ISAPP – International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics:
„Is probiotic colonization essential?“
https://isappscience.org/is-probiotic-colonization-essential/

Schmitz S., Suchodolski J. (2016): Understanding the canine intestinal microbiota and its modification by pro-, pre- and synbiotics.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5645859/













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Parodontitis beim Hund wird noch immer massiv unterschätzt. Dabei betrifft sie nicht nur die Zähne, sondern kann den ges...
27/05/2026

Parodontitis beim Hund wird noch immer massiv unterschätzt. Dabei betrifft sie nicht nur die Zähne, sondern kann den gesamten Organismus belasten. Umso wichtiger sind fundierte Informationen zu Früherkennung, Ursachen und sinnvoller Prophylaxe. Deshalb teile ich dieses Seminar des Klub für Terrier sehr gerne.

Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Alles über Welpen, Züchter, Hundeausstellungen, Rassehunde, Hundesport und mehr.

DIE RICHTIGE VERSORGUNG VON WUNDENViele Wunden beim Hund heilen problemlos, wenn in den ersten Stunden vernünftig versor...
25/05/2026

DIE RICHTIGE VERSORGUNG VON WUNDEN

Viele Wunden beim Hund heilen problemlos, wenn in den ersten Stunden vernünftig versorgt wird. Die meisten Komplikationen entstehen durch vier Dinge: falsche Reinigung, Austrocknung, dauerndes Lecken und unterschätzte Tiefe der Verletzung.

Kleine oberflächliche Schürf- oder Schnittverletzungen können meist zu Hause erstversorgt werden. Kritisch werden Wunden, wenn sie stark verschmutzt sind, klaffen, tief wirken, weiter bluten oder aus einer Bissverletzung entstanden sind. Bisswunden sehen außen oft harmlos aus, unter der Haut ist das Gewebe aber häufig großflächig gequetscht und bakteriell kontaminiert.

Der erste Schritt ist immer Spülen. Dabei werden Schmutz, Haare, Bakterien und Gewebetrümmer mechanisch entfernt. Ideal ist sterile Kochsalzlösung. Für die Erstversorgung unterwegs funktioniert auch sauberes Leitungswasser deutlich besser als gar keine Reinigung. Problematisch sind aggressive Desinfektionsmittel, Alkohol, Wasserstoffperoxid oder Seifen. Sie schädigen nicht nur Keime, sondern auch Fibroblasten und junge Epithelzellen, also die Zellen, die später neues Gewebe bilden sollen.

Danach muss die Wunde beurteilt werden. Klaffen die Wundränder? Ist Fettgewebe sichtbar? Wirkt die Umgebung geschwollen oder weich, als ob sich unter der Haut eine Tasche gebildet hat? Dann reicht häusliche Versorgung nicht mehr aus. Dasselbe gilt bei üblem Geruch, Eiter, zunehmender Schwellung, Wärme oder deutlicher Schmerzhaftigkeit.

Ein häufiger Fehler ist das klassische Salben. Dicke Salben, Zinkpasten, Melkfett, fettige Wundcremes oder Alu-Sprays sind kontraproduktiv. Sie verschließen die Oberfläche, erschweren die Wundkontrolle und halten Exsudat, Schmutz und Keime unter einer Schicht fest. Alu-Sprays trocknen die Oberfläche zusätzlich aus. Problematisch ist dabei vor allem, dass austrocknendes oder fettig abgeschlossenes Gewebe die normale Zellwanderung und Granulation behindern kann.

Moderne Wundversorgung arbeitet mit kontrolliert feuchter Wundheilung. Epithelzellen wandern auf feuchtem Gewebe deutlich besser. Trocknet die Oberfläche aus, entstehen Krusten. Unter diesen Krusten verlangsamt sich der Hautverschluss deutlich.
Feucht bedeutet dabei nicht nass. Eine heilende Wunde wirkt meist glatt, rot und leicht glänzend. Kleine Mengen klarer Wundflüssigkeit sind normal. Problematisch wird es, wenn Gewebe weißlich aufgequollen, schmierig oder matschig aussieht. Dann ist die Wunde zu feucht oder der Verband nimmt Exsudat nicht ausreichend auf.

Auch Lecken wird oft unterschätzt. Hundespeichel enthält Keime und die raue Zunge hält die Entzündungsphase mechanisch aktiv. Viele Wunden heilen erst vernünftig, wenn der Hund nicht mehr permanent daran manipuliert. Halskragen, Body oder Pfotenschutz sind deshalb oft medizinisch sinnvoll und keine Übervorsicht.

Verbände sollen die Wunde schützen und gleichzeitig ein stabiles Wundmilieu erhalten. Direkt auf die Wunde gehören sterile, nicht haftende Kompressen. Ein durchnässter oder verrutschter Verband muss gewechselt werden, weil Feuchtigkeit, Wärme und Schmutz sonst ideale Bedingungen für Keimwachstum schaffen.

Für die Hausapotheke sinnvoll sind sterile Kochsalzlösung, sterile Kompressen, selbsthaftende Fixierbinden, Einmalhandschuhe und ein vernünftiger Leckschutz. Ergänzend können gewebeschonende Wundspüllösungen und feuchtigkeitserhaltende Hydrogele hilfreich sein.

In der Praxis bewährt haben sich beispielsweise die Produkte von BÄRALIS (baeralis.de⁠), weil sie die Wunde nicht austrocknen und sich für die Erstversorgung kleiner oberflächlicher Verletzungen gut handhaben lassen. (Produktnennung aus eigener praktischer Erfahrung, unbeauftragt und unbezahlt.)

Bild: KI








„Nach den Medikamenten würde ich erstmal ENTGIFTEN“Der Rat taucht in Hundegesundheitsgruppen häufig auf. Gemeint sind me...
22/05/2026

„Nach den Medikamenten würde ich erstmal ENTGIFTEN“

Der Rat taucht in Hundegesundheitsgruppen häufig auf. Gemeint sind meist Kräuter, Algenprodukte oder sogenannte Leber-Detox-Mischungen.
Interessant wird es, wenn man sich anschaut, was nach einem Medikament biologisch überhaupt passiert.
Nach dem Schlucken wird der Wirkstoff im Darm aufgenommen und gelangt über die Pfortader direkt zur Leber. Dort beginnt sofort der enzymatische Umbau.
Viele Arzneistoffe sind fettlöslich. Fettlösliche Stoffe lassen sich schlecht ausscheiden. Würde die Niere sie unverändert filtrieren, könnten sie teilweise wieder rückresorbiert werden.
Die Leber verändert deshalb ihre chemische Struktur Schritt für Schritt. Erst dadurch entstehen besser wasserlösliche Verbindungen, die anschließend ausgeschieden werden können.
Das bedeutet: Die Leber arbeitet nicht wie ein „Giftlager“, das irgendwann geleert werden muss. Der Umbau und die Ausscheidung laufen die ganze Zeit.
Für Hundehalter wird dieser Unterschied wichtig, sobald Produkte versprechen, die Leber zu „reinigen“ oder „Gifte auszuleiten“.
Bei einer echten Vergiftung dagegen wird z.B. Aktivkohle eingesetzt. Sie kann bestimmte Stoffe direkt im Darm binden, bevor sie aufgenommen werden.
Bei vielen „Entgiftungs“-Empfehlungen bleibt dagegen offen, ob überhaupt eine nachweisbare Belastung vorliegt.
Mariendistel ist davon zu unterscheiden. Silymarin wird nicht eingesetzt, um diffuse „Schlacken“ auszuleiten, sondern wegen möglicher Effekte auf oxidativen Stress und Leberzellen.

Quellen:
Merck Veterinary Manual – Principles of Toxicology

Peterson ME, Talcott PA: Small Animal Toxicology. Elsevier.

Loguercio C, Festi D. Silybin and the liver: from basic research to clinical practice. World J Gastroenterol. 2011.

Grafik: KI
Inhaltlich basierend auf: Merck Veterinary Manual – Principles of Toxicology
Peterson & Talcott: Small Animal Toxicology
Klaassen: Casarett & Doull’s Toxicology

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Wittgensteiner Straße 35
Sterzhausen
35094

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