Naturheilpraxis für Hunde - Tierheilpraktikerin Sabine Bernardy

Naturheilpraxis für Hunde  - Tierheilpraktikerin Sabine Bernardy Tierheilpraxis für Hunde – Spezialisierung auf Ernährung und komplexe chronische Erkrankungen

PROBIOTIKA beim Hund: Helfer auf Zeit statt neue DarmbewohnerFehlende gute Darmbakterien zuführen und damit die Darmflor...
31/05/2026

PROBIOTIKA beim Hund:
Helfer auf Zeit statt neue Darmbewohner

Fehlende gute Darmbakterien zuführen und damit die Darmflora wieder auffüllen. So wird die Wirkung von Probiotika häufig beschrieben.

Probiotische Bakterien können während der Gabe im Kot nachweisbar sein, aber nach dem Absetzen nehmen sie meist wieder ab. Wir sprechen also nicht über eine dauerhafte Besiedlung, sondern von einer vorübergehende Wirkung.

Diese Wirkung kann trotzdem relevant sein.

Probiotika können mit unerwünschten Keimen um Nährstoffe und Anheftungsstellen konkurrieren. Einige Stämme bilden Stoffwechselprodukte, die das Darmmilieu beeinflussen. Außerdem können sie mit der Darmschleimhaut und dem darmassoziierten Immunsystem interagieren.

Besonders wichtig ist die Schleimhautbarriere. Die Darmschleimhaut ist keine passive Wand, sondern eine sehr aktive Grenzfläche: Schleimschicht, Epithelzellen, enge Zellkontakte, Immunzellen und mikrobielle Stoffwechselprodukte arbeiten zusammen. Ziel ist nicht Abdichtung im mechanischen Sinn, sondern Regulation der Barrierefunktion: weniger überschießende Entzündung, stabilere Schleimhautantwort, bessere Kontrolle darüber, was aus dem Darminhalt mit dem Körper in Kontakt kommt.

Präbiotika wirken anders. Sie enthalten keine lebenden Keime, sondern Substrate, die von vorhandenen Mikroorganismen genutzt werden können. Dadurch können sich Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren verändern. Diese sind für die Ernährung von Darmzellen, das lokale Milieu und die Barrierefunktion relevant. Präbiotika bringen lso keine Bakterien in den Darm, sondern verändern die Bedingungen für bereits vorhandene Mikroben.

Postbiotika enthalten keine lebenden Bakterien. Hier geht es um inaktivierte Mikroorganismen, Zellbestandteile oder damit verbundene Stoffwechselprodukte. Sie können Signale an Schleimhaut- und Immunzellen vermitteln, ohne dass sich ein Keim vermehren oder ansiedeln muss.

Probiotika sind also keine dauerhaften neuen Darmbewohner. Sie wirken, wenn sie wirken, vor allem während der Gabe, über mikrobielle Konkurrenz, Stoffwechselaktivität, Schleimhautbarriere und Immunmodulation.

Quellen:

Hill C. et al. (2014): ISAPP Consensus Statement on the Scope and Appropriate Use of the Term Probiotic. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24912386/

Gibson G.R. et al. (2017): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28611480/

Salminen S. et al. (2021): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Postbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33948025/

Swanson K.S. et al. (2020): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Synbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7581511/

ISAPP – International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics:
„Is probiotic colonization essential?“
https://isappscience.org/is-probiotic-colonization-essential/

Schmitz S., Suchodolski J. (2016): Understanding the canine intestinal microbiota and its modification by pro-, pre- and synbiotics.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5645859/













Bild: Fotolia

Parodontitis beim Hund wird noch immer massiv unterschätzt. Dabei betrifft sie nicht nur die Zähne, sondern kann den ges...
27/05/2026

Parodontitis beim Hund wird noch immer massiv unterschätzt. Dabei betrifft sie nicht nur die Zähne, sondern kann den gesamten Organismus belasten. Umso wichtiger sind fundierte Informationen zu Früherkennung, Ursachen und sinnvoller Prophylaxe. Deshalb teile ich dieses Seminar des Klub für Terrier sehr gerne.

Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Alles über Welpen, Züchter, Hundeausstellungen, Rassehunde, Hundesport und mehr.

DIE RICHTIGE VERSORGUNG VON WUNDENViele Wunden beim Hund heilen problemlos, wenn in den ersten Stunden vernünftig versor...
25/05/2026

DIE RICHTIGE VERSORGUNG VON WUNDEN

Viele Wunden beim Hund heilen problemlos, wenn in den ersten Stunden vernünftig versorgt wird. Die meisten Komplikationen entstehen durch vier Dinge: falsche Reinigung, Austrocknung, dauerndes Lecken und unterschätzte Tiefe der Verletzung.

Kleine oberflächliche Schürf- oder Schnittverletzungen können meist zu Hause erstversorgt werden. Kritisch werden Wunden, wenn sie stark verschmutzt sind, klaffen, tief wirken, weiter bluten oder aus einer Bissverletzung entstanden sind. Bisswunden sehen außen oft harmlos aus, unter der Haut ist das Gewebe aber häufig großflächig gequetscht und bakteriell kontaminiert.

Der erste Schritt ist immer Spülen. Dabei werden Schmutz, Haare, Bakterien und Gewebetrümmer mechanisch entfernt. Ideal ist sterile Kochsalzlösung. Für die Erstversorgung unterwegs funktioniert auch sauberes Leitungswasser deutlich besser als gar keine Reinigung. Problematisch sind aggressive Desinfektionsmittel, Alkohol, Wasserstoffperoxid oder Seifen. Sie schädigen nicht nur Keime, sondern auch Fibroblasten und junge Epithelzellen, also die Zellen, die später neues Gewebe bilden sollen.

Danach muss die Wunde beurteilt werden. Klaffen die Wundränder? Ist Fettgewebe sichtbar? Wirkt die Umgebung geschwollen oder weich, als ob sich unter der Haut eine Tasche gebildet hat? Dann reicht häusliche Versorgung nicht mehr aus. Dasselbe gilt bei üblem Geruch, Eiter, zunehmender Schwellung, Wärme oder deutlicher Schmerzhaftigkeit.

Ein häufiger Fehler ist das klassische Salben. Dicke Salben, Zinkpasten, Melkfett, fettige Wundcremes oder Alu-Sprays sind kontraproduktiv. Sie verschließen die Oberfläche, erschweren die Wundkontrolle und halten Exsudat, Schmutz und Keime unter einer Schicht fest. Alu-Sprays trocknen die Oberfläche zusätzlich aus. Problematisch ist dabei vor allem, dass austrocknendes oder fettig abgeschlossenes Gewebe die normale Zellwanderung und Granulation behindern kann.

Moderne Wundversorgung arbeitet mit kontrolliert feuchter Wundheilung. Epithelzellen wandern auf feuchtem Gewebe deutlich besser. Trocknet die Oberfläche aus, entstehen Krusten. Unter diesen Krusten verlangsamt sich der Hautverschluss deutlich.
Feucht bedeutet dabei nicht nass. Eine heilende Wunde wirkt meist glatt, rot und leicht glänzend. Kleine Mengen klarer Wundflüssigkeit sind normal. Problematisch wird es, wenn Gewebe weißlich aufgequollen, schmierig oder matschig aussieht. Dann ist die Wunde zu feucht oder der Verband nimmt Exsudat nicht ausreichend auf.

Auch Lecken wird oft unterschätzt. Hundespeichel enthält Keime und die raue Zunge hält die Entzündungsphase mechanisch aktiv. Viele Wunden heilen erst vernünftig, wenn der Hund nicht mehr permanent daran manipuliert. Halskragen, Body oder Pfotenschutz sind deshalb oft medizinisch sinnvoll und keine Übervorsicht.

Verbände sollen die Wunde schützen und gleichzeitig ein stabiles Wundmilieu erhalten. Direkt auf die Wunde gehören sterile, nicht haftende Kompressen. Ein durchnässter oder verrutschter Verband muss gewechselt werden, weil Feuchtigkeit, Wärme und Schmutz sonst ideale Bedingungen für Keimwachstum schaffen.

Für die Hausapotheke sinnvoll sind sterile Kochsalzlösung, sterile Kompressen, selbsthaftende Fixierbinden, Einmalhandschuhe und ein vernünftiger Leckschutz. Ergänzend können gewebeschonende Wundspüllösungen und feuchtigkeitserhaltende Hydrogele hilfreich sein.

In der Praxis bewährt haben sich beispielsweise die Produkte von BÄRALIS (baeralis.de⁠), weil sie die Wunde nicht austrocknen und sich für die Erstversorgung kleiner oberflächlicher Verletzungen gut handhaben lassen. (Produktnennung aus eigener praktischer Erfahrung, unbeauftragt und unbezahlt.)

Bild: KI








„Nach den Medikamenten würde ich erstmal ENTGIFTEN“Der Rat taucht in Hundegesundheitsgruppen häufig auf. Gemeint sind me...
22/05/2026

„Nach den Medikamenten würde ich erstmal ENTGIFTEN“

Der Rat taucht in Hundegesundheitsgruppen häufig auf. Gemeint sind meist Kräuter, Algenprodukte oder sogenannte Leber-Detox-Mischungen.
Interessant wird es, wenn man sich anschaut, was nach einem Medikament biologisch überhaupt passiert.
Nach dem Schlucken wird der Wirkstoff im Darm aufgenommen und gelangt über die Pfortader direkt zur Leber. Dort beginnt sofort der enzymatische Umbau.
Viele Arzneistoffe sind fettlöslich. Fettlösliche Stoffe lassen sich schlecht ausscheiden. Würde die Niere sie unverändert filtrieren, könnten sie teilweise wieder rückresorbiert werden.
Die Leber verändert deshalb ihre chemische Struktur Schritt für Schritt. Erst dadurch entstehen besser wasserlösliche Verbindungen, die anschließend ausgeschieden werden können.
Das bedeutet: Die Leber arbeitet nicht wie ein „Giftlager“, das irgendwann geleert werden muss. Der Umbau und die Ausscheidung laufen die ganze Zeit.
Für Hundehalter wird dieser Unterschied wichtig, sobald Produkte versprechen, die Leber zu „reinigen“ oder „Gifte auszuleiten“.
Bei einer echten Vergiftung dagegen wird z.B. Aktivkohle eingesetzt. Sie kann bestimmte Stoffe direkt im Darm binden, bevor sie aufgenommen werden.
Bei vielen „Entgiftungs“-Empfehlungen bleibt dagegen offen, ob überhaupt eine nachweisbare Belastung vorliegt.
Mariendistel ist davon zu unterscheiden. Silymarin wird nicht eingesetzt, um diffuse „Schlacken“ auszuleiten, sondern wegen möglicher Effekte auf oxidativen Stress und Leberzellen.

Quellen:
Merck Veterinary Manual – Principles of Toxicology

Peterson ME, Talcott PA: Small Animal Toxicology. Elsevier.

Loguercio C, Festi D. Silybin and the liver: from basic research to clinical practice. World J Gastroenterol. 2011.

Grafik: KI
Inhaltlich basierend auf: Merck Veterinary Manual – Principles of Toxicology
Peterson & Talcott: Small Animal Toxicology
Klaassen: Casarett & Doull’s Toxicology

13/05/2026

KI-gestützte VERGIFTUNGSBERATUNG für Hunde und Katzen geplant

Mit „Tox-help“ entsteht derzeit eine KI-gestützte Vergiftungsberatung speziell für Hunde und Katzen. Ziel ist es, die bisherige Versorgungslücke in der veterinärmedizinischen Toxikologie zu verbessern.

Das System soll Tierhalter*innen und tiermedizinischem Fachpersonal bei Vergiftungsverdacht eine schnelle Ersteinschätzung und Handlungsempfehlungen geben. Hintergrund ist, dass viele bestehende Giftnotrufe auf Humanmedizin ausgerichtet sind und veterinärtoxikologische Fälle nur eingeschränkt abdecken.

Geplant sind zwei Bereiche:
• „Vet Professional“ für Tierarztpraxen
• „Vet Home“ für Tierhalter*innen

Gerade bei Vergiftungen zählt oft jede Minute. Eine KI kann hier möglicherweise helfen, schneller Informationen bereitzustellen. Sie ersetzt aber keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung.

Link im ersten Kommentar.

„Habt ihr schon DARMAUFBAU gemacht?“Kaum ein Begriff wird in Gesundheits-Hundegruppen so häufig verwendet wie „Darmaufba...
11/05/2026

„Habt ihr schon DARMAUFBAU gemacht?“

Kaum ein Begriff wird in Gesundheits-Hundegruppen so häufig verwendet wie „Darmaufbau“. Ein Hund hat Durchfall, bekommt Antibiotika, zeigt wechselnden Kot oder frisst Gras – und sehr schnell kommt der Hinweis, man solle „erst einmal den Darm aufbauen“.

Problematisch ist, dass er selten genauer erklärt wird. Ohne Konkretisierung bleibt offen, ob damit Probiotika, Präbiotika, Schleimhautschutz, Ballaststoffe, Butyrat, Huminsäuren, Fermentprodukte, Fütterungsanpassung oder etwas anderes gemeint ist.

Diese Maßnahmen wirken allerdings nicht über denselben Mechanismus und teilweise nicht einmal am selben Ort im Verdauungstrakt. Ein Präparat zur Unterstützung der Schleimhaut verfolgt ein anderes Ziel als Ballaststoffe, ein Probiotikum oder Verdauungsenzyme. Trotzdem wird in Diskussionen häufig so argumentiert, als handele es sich um austauschbare Varianten derselben Behandlung.

Hinzu kommt, dass sehr unterschiedliche Erkrankungen unter demselben Schlagwort zusammengefasst werden: akuter Durchfall, chronische Enteropathien, Parasiten, Folgen einer Antibiotikatherapie, Futterunverträglichkeiten oder unspezifische Verdauungsprobleme.

Dabei braucht nicht jede Situation dieselbe Unterstützung.

Gerade nach Antibiotikagaben kann der Einsatz bestimmter probiotischer Stämme sinnvoll sein. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass jede Auffälligkeit im Magen-Darm-Bereich automatisch einen pauschalen „Darmaufbau“ erfordert.

Entscheidend ist die Ursache der Beschwerden.

Ein Hund mit Parasiten braucht eine gezielte Behandlung der Parasiten. Ein Hund mit chronischer Darmentzündung benötigt eine gründliche Diagnostik und ein strukturiertes therapeutisches Vorgehen. Und bei manchen Hunden stabilisiert sich der Verdauungstrakt bereits durch passende Fütterung, Ruhe und Zeit deutlich besser als durch ständig wechselnde Zusätze.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob „Darmaufbau“ gemacht wurde, sondern:
Was soll im konkreten Fall überhaupt unterstützt werden – Mikrobiom, Schleimhaut, Verdauung, Regeneration nach Medikamenten oder etwas ganz anderes?

Erst dann lässt sich sinnvoll entscheiden, ob überhaupt eine Ergänzung notwendig ist – und welche.

Quellen:
Schmitz S, Suchodolski JS. Understanding the canine intestinal microbiota and its modification by pro-, pre- and synbiotics. Vet Med Sci. 2016.
Pilla R, Suchodolski JS. The Gut Microbiome of Dogs and Cats, and the Influence of Diet. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2021.
Redfern A et al. The role of probiotics in gastrointestinal disease in dogs and cats. Vet Clin North Am Small Anim Pract. 2017.
Bild: KI

DYSBIOSE - WAS IST DAS EIGENTLICH?Wenn ein Hundehalter den Begriff „Dysbiose“ hört, klingt das nach Diagnose. Tatsächlic...
05/05/2026

DYSBIOSE - WAS IST DAS EIGENTLICH?

Wenn ein Hundehalter den Begriff „Dysbiose“ hört, klingt das nach Diagnose. Tatsächlich ist es keine.

Dysbiose bedeutet zunächst nur:
Die Zusammensetzung der Darmbakterien unterscheidet sich von dem, was in einem Labor als Vergleich herangezogen wird.

Der entscheidende Punkt ist, wie solche Befunde überhaupt entstehen. In der Praxis werden Mikrobiom-Analysen entweder über Sequenzierung oder über gezielte PCR-Verfahren durchgeführt. Beide Methoden erfassen nur einen Teil der vorhandenen Bakterien. Entweder breit, aber grob (Sequenzierung), oder sehr gezielt, aber auf wenige Gruppen begrenzt (PCR).

Ein vollständiges Bild des gesamten Mikrobioms entsteht dabei nie.

Das hat zwei Konsequenzen:
Erstens erfasst jede Mikrobiom-Analyse nur einen begrenzten Teil der tatsächlich vorhandenen Darmmikroorganismen.
Zweitens hängt die Bewertung davon ab, mit welchem Referenzbereich verglichen wird. Diese Referenzbereiche sind keine biologischen Idealwerte, sondern statistische Vergleichswerte aus bestimmten Populationen. Sie sagen nur, wie häufig bestimmte Bakterien in dieser Gruppe vorkommen.

Wenn ein Befund davon abweicht, wird das als „Dysbiose“ bezeichnet.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Darm krank ist. Es bedeutet nur, dass sich die gemessenen Bakteriengruppen anders verteilen.

Ob das für den einzelnen Hund relevant ist, lässt sich nur im Zusammenhang beurteilen:
Gibt es Symptome? Passt der Befund zum klinischen Bild? Gibt es eine Entwicklung im Verlauf?

Ohne diesen Zusammenhang bleibt „Dysbiose“ ein beschreibender Laborbegriff, keine Diagnose.

Ein Dysbiose-Befund allein legt keine konkrete Therapie fest. Behandelt wird nicht die veränderte Bakterienzusammensetzung als solche, sondern die Ursache, die zu dieser Verschiebung geführt hat oder sie unterhält.
Das kann je nach Fall eine unverträgliche oder unausgewogene Fütterung sein, eine chronische Darmentzündung, eine Maldigestion, eine Parasitenbelastung, eine vorausgegangene Antibiotikatherapie oder eine andere Grunderkrankung. Erst wenn die Ursache eingeordnet ist, lässt sich sinnvoll behandeln.

Quellen:
AlShawaqfeh MK et al. 2017 – Dysbiosis Index beim Hund (FEMS Microbiology Ecology)
Suchodolski JS – Mikrobiomanalytik beim Hund (Veterinary Clinical Pathology)

Bildquelle: Fotolia

BARF, Fertigfutter und der Dysbiose-Index: Warum diese Studie oft falsch gelesen wirdDie Studie von Schmidt et al. vergl...
27/04/2026

BARF, Fertigfutter und der Dysbiose-Index: Warum diese Studie oft falsch gelesen wird

Die Studie von Schmidt et al. vergleicht das Kotmikrobiom von roh gefütterten Hunden mit dem von Hunden, die kommerzielle Diäten erhalten. Gefunden wurden deutliche Unterschiede in der bakteriellen Zusammensetzung sowie ein höherer Dysbiose-Index in der BARF-Gruppe. Diese Ergebnisse werden häufig so verkürzt, als zeige die Studie eine Störung der Darmgesundheit durch Rohfütterung. Das lässt sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.

Entscheidend ist, wie der verwendete Dysbiose-Index zu verstehen ist. Dieser Index wurde nicht entwickelt, um unterschiedliche Fütterungsformen zu bewerten, sondern um Mikrobiomprofile gesunder Hunde mit denen von Hunden mit chronischer Enteropathie zu vergleichen. Das Referenzprofil stammt aus einer Population klinisch gesunder Haushunde, die in der Praxis überwiegend kommerziell gefüttert werden. Ein höherer Wert bei BARF-Hunden bedeutet daher zunächst eine stärkere Abweichung von diesem Referenzprofil, nicht automatisch eine krankhafte Dysbiose.
Die beobachteten Unterschiede entsprechen den unterschiedlichen Nährstoffprofilen der Rationen. Die BARF-Rationen enthielten mehr Protein und Fett, während kommerzielle Futter typischerweise mehr Kohlenhydrate und Ballaststoffe liefern. Damit verändert sich auch das Substratangebot im Dickdarm. Bakterien, die stärker mit Ballaststofffermentation verbunden sind, wie Faecalibacterium, waren bei BARF-Hunden niedriger. Bakterien, die unter proteinreicheren Bedingungen häufiger auftreten können, darunter E. coli, Streptococcus spp. und Clostridium perfringens, waren höher nachweisbar. Das beschreibt zunächst eine ernährungsbedingte Verschiebung des Mikrobioms.
Aus dieser Verschiebung folgt nicht, dass die Hunde krank waren oder dass BARF grundsätzlich schädlich ist. Die Studie untersuchte Kotproben, bakterielle Profile und Stoffwechselprodukte, aber keine klinischen Langzeitverläufe, keine Entzündungsmarker im Darm, keine Toxinexpression von Clostridium perfringens und keine Frage, ob die beobachteten Hunde später häufiger erkrankten. Der Nachweis potenziell problematischer Bakterien ist deshalb nicht gleichzusetzen mit einer Erkrankung.

Fazit:
Die Studie zeigt, dass roh gefütterte Hunde ein anderes Kotmikrobiom aufweisen als kommerziell gefütterte Hunde und dass dieses Profil im verwendeten Dysbiose-Index stärker vom Referenzmuster abweicht. Sie zeigt nicht, dass dieses abweichende Profil bei klinisch gesunden BARF-Hunden automatisch pathologisch ist. Dafür wären andere Studiendesigns erforderlich.

Quellen
Schmidt M, Unterer S, Suchodolski JS, Honneffer JB, Guard BC, Lidbury JA, Steiner JM, Fritz J, Kölle P. The f***l microbiome and metabolome differs between dogs fed Bones and Raw Food (BARF) diets and dogs fed commercial diets. PLOS ONE. 2018;13(8):e0201279.

AlShawaqfeh MK, Wajid B, Minamoto Y, Markel M, Lidbury JA, Steiner JM, Serpedin E, Suchodolski JS. A dysbiosis index to assess microbial changes in f***l samples of dogs with chronic inflammatory enteropathy. FEMS Microbiology Ecology. 2017;93(11):fix136.
OUP Academic

13/04/2026

𝗦𝘁𝘂𝗱𝗶𝗲𝗻𝗮𝘂𝗳𝗿𝘂𝗳:
𝗛𝘂𝗻𝗱𝗲 𝗺𝗶𝘁 𝗰𝗵𝗿𝗼𝗻𝗶𝘀𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗴𝗲𝗻-𝗗𝗮𝗿𝗺-𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺𝗲𝗻 𝗴𝗲𝘀𝘂𝗰𝗵𝘁!

Ihr Hund leidet seit längerer Zeit an Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Gewichtsverlust oder Fressunlust?

Um chronische Magen-Darm-Symptome beim Hund besser zu verstehen und gezielter behandeln zu können, führen wir derzeit eine Studie durch. Unser großes Anliegen ist es, betroffenen Hunden nachhaltig zu helfen und ihre Lebensqualität zu verbessern – daher möchten wir Sie und Ihren Vierbeiner als Studienteilnehmer gewinnen und gemeinsam einen wichtigen Beitrag leisten.

Wir suchen:
- Hunde > 1 Jahr
- Chronische Magen-Darm-Symptome > 3 Wochen

Ziel der Studie: Welche Wirkung haben Immunmodulatoren auf Magen-Darm-Symptome?
- Verbesserung der Symptome Ihres Hundes mittels hypoallergener Diät
- Bei Bedarf zusätzliche Fütterung von natürlichen Immunmodularen (u. a. aus Karotten und Algen)
- Bestätigte Verträglichkeit der Diät sowie der Zusätze

Wie läuft die Studie ab?
- Erstberatung sowie zwei Kontrolltermine im Abstand von jeweils zwei Wochen in unserer Tierklinik – bitte zu jedem Termin eine Kotprobe mitbringen!
- Fütterung einer kostenfreien hypoallergenen Diät ab Tag 1
- Bei ausbleibender oder nur teilweiser Besserung nach zwei Wochen zusätzliche Gabe von Immunmodulatoren
- Evaluierung der Symptome zu Hause in einem Tagebuch

Für weitere Informationen oder bei Fragen melden Sie sich gerne per E-Mail unter [email protected] bei uns!

Wir freuen uns sehr über Ihr Interesse!

10/04/2026

EPIGENETIK beim Hund – große Versprechen, reale Grenzen
Eine Einordnung

Epigenetik ist eines dieser Schlagworte, das gerade überall auftaucht. In Büchern, in Fortbildungen, in der Beratung. Oft klingt es so, als stünde man kurz davor, Gesundheit gezielt über Gene zu steuern. Als ließe sich mit der richtigen Ernährung oder bestimmten Maßnahmen direkt in die Biologie eingreifen.

Der Ausgangspunkt ist dabei durchaus seriös. Auch durch Arbeiten von Peter Spork ist bekannt geworden, dass Gene kein starres Programm sind. Ob sie aktiv sind oder nicht, hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen ein Organismus lebt. Ernährung, Stress, Bewegung, Umwelt, all das kann beeinflussen, wie genetische Informationen genutzt werden.
Das ist wissenschaftlich gut belegt. Vor allem aus der Humanmedizin und aus experimentellen Modellen weiß man, dass solche Zusammenhänge existieren. Der Körper reagiert auf seine Umwelt, und diese Reaktionen gehen tiefer, als man lange angenommen hat.

Beim Hund beginnt die Forschung, dieses Bild zu ergänzen. Es gibt inzwischen Arbeiten, die zeigen, dass sich biologische Alterungsprozesse über solche Regulationsmechanismen abbilden lassen. Andere untersuchen Zusammenhänge mit Verhalten, etwa im Bereich Stress oder Aktivität. Auch bei Erkrankungen wird geforscht.
Was diese Studien leisten, ist wichtig, aber begrenzt. Sie zeigen Muster und Zusammenhänge. Sie erklären, was im Organismus passiert. Sie liefern jedoch keine konkreten Anleitungen dafür, wie man diese Prozesse gezielt steuert.

Hier entsteht in der Praxis oft ein Missverständnis. Aus der Tatsache, dass Umweltfaktoren biologische Prozesse beeinflussen, wird schnell abgeleitet, dass man diese Prozesse auch gezielt nutzen kann. Dass es bestimmte Fütterungen, Zusätze oder Programme gibt, mit denen sich Gene „anschalten“ oder Krankheiten verhindern lassen.
So weit ist die Forschung nicht. Es gibt beim Hund derzeit keine belastbaren Konzepte, mit denen sich epigenetische Mechanismen gezielt therapeutisch einsetzen lassen. Auch die oft diskutierte Frage, ob Erfahrungen über Generationen weitergegeben werden, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Gerade bei komplexen Organismen wie Hund oder Mensch bleibt das ein offenes Forschungsfeld.

Und trotzdem ist das Thema nicht bedeutungslos, im Gegenteil. Wenn man die Ergebnisse nüchtern betrachtet, ergibt sich ein klares Bild: Umwelt und Lebensbedingungen wirken tiefer auf den Organismus ein, als lange angenommen.

Das betrifft vor allem die frühen Lebensphasen. Was ein Hund als Welpe erlebt, unter welchen Bedingungen er aufwächst, wie stabil sein Umfeld ist, all das hat langfristige Auswirkungen. Auch chronischer Stress ist kein abstrakter Faktor, sondern greift messbar in körperliche Prozesse ein. Ernährung wirkt nicht als gezielter Schalter, aber sie gehört zu den grundlegenden Einflussgrößen, die den Organismus prägen. Bewegung und Lebensstil ebenfalls.
Das alles ist nicht neu. Neu ist eher die Bestätigung, wie weitreichend diese Einflüsse sind.

Was sich daraus für den Alltag mitnehmen lässt, ist deshalb erstaunlich bodenständig: Die Ernährung, der Tagesablauf, das Stressniveau, die Aufzucht und das Lebensumfeld sind keine Nebensachen. Sie gehören zu den Faktoren, die Gesundheit langfristig mitprägen. Wahrscheinlich stärker, als vielen bewusst ist.

Quellen (Auswahl)
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Epigenetics Overview
National Institutes of Health (NIH): Epigenomics
Epigenetik – Wie unsere Erfahrungen vererbt werden
Frontiers in Psychology (2022): Epigenetik und Verhalten beim Hund
Frontiers in Epigenetics and Epigenomics (2024): Transgenerationale Effekte – aktueller Forschungsstand

Adresse

Wittgensteiner Straße 35
Sterzhausen
35094

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