31/05/2026
PROBIOTIKA beim Hund:
Helfer auf Zeit statt neue Darmbewohner
Fehlende gute Darmbakterien zuführen und damit die Darmflora wieder auffüllen. So wird die Wirkung von Probiotika häufig beschrieben.
Probiotische Bakterien können während der Gabe im Kot nachweisbar sein, aber nach dem Absetzen nehmen sie meist wieder ab. Wir sprechen also nicht über eine dauerhafte Besiedlung, sondern von einer vorübergehende Wirkung.
Diese Wirkung kann trotzdem relevant sein.
Probiotika können mit unerwünschten Keimen um Nährstoffe und Anheftungsstellen konkurrieren. Einige Stämme bilden Stoffwechselprodukte, die das Darmmilieu beeinflussen. Außerdem können sie mit der Darmschleimhaut und dem darmassoziierten Immunsystem interagieren.
Besonders wichtig ist die Schleimhautbarriere. Die Darmschleimhaut ist keine passive Wand, sondern eine sehr aktive Grenzfläche: Schleimschicht, Epithelzellen, enge Zellkontakte, Immunzellen und mikrobielle Stoffwechselprodukte arbeiten zusammen. Ziel ist nicht Abdichtung im mechanischen Sinn, sondern Regulation der Barrierefunktion: weniger überschießende Entzündung, stabilere Schleimhautantwort, bessere Kontrolle darüber, was aus dem Darminhalt mit dem Körper in Kontakt kommt.
Präbiotika wirken anders. Sie enthalten keine lebenden Keime, sondern Substrate, die von vorhandenen Mikroorganismen genutzt werden können. Dadurch können sich Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren verändern. Diese sind für die Ernährung von Darmzellen, das lokale Milieu und die Barrierefunktion relevant. Präbiotika bringen lso keine Bakterien in den Darm, sondern verändern die Bedingungen für bereits vorhandene Mikroben.
Postbiotika enthalten keine lebenden Bakterien. Hier geht es um inaktivierte Mikroorganismen, Zellbestandteile oder damit verbundene Stoffwechselprodukte. Sie können Signale an Schleimhaut- und Immunzellen vermitteln, ohne dass sich ein Keim vermehren oder ansiedeln muss.
Probiotika sind also keine dauerhaften neuen Darmbewohner. Sie wirken, wenn sie wirken, vor allem während der Gabe, über mikrobielle Konkurrenz, Stoffwechselaktivität, Schleimhautbarriere und Immunmodulation.
Quellen:
Hill C. et al. (2014): ISAPP Consensus Statement on the Scope and Appropriate Use of the Term Probiotic. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24912386/
Gibson G.R. et al. (2017): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28611480/
Salminen S. et al. (2021): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Postbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33948025/
Swanson K.S. et al. (2020): ISAPP Consensus Statement on the Definition and Scope of Synbiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7581511/
ISAPP – International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics:
„Is probiotic colonization essential?“
https://isappscience.org/is-probiotic-colonization-essential/
Schmitz S., Suchodolski J. (2016): Understanding the canine intestinal microbiota and its modification by pro-, pre- and synbiotics.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5645859/
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