12/10/2026
MYTHOS MONDAY – Frauenheilkunde
„Eine PDA nimmt nur die Schmerzen und beeinflusst die Geburt ansonsten nicht.“
So einfach ist es nicht.
Eine Periduralanästhesie (PDA) kann während der Geburt eine wichtige und wirksame Schmerzlinderung ermöglichen. Sie beeinflusst aber möglicherweise mehr als nur die Schmerzwahrnehmung.
Auch das Druckgefühl, der Pressdrang und – abhängig von der Dosierung – die Beweglichkeit können verändert werden.
Warum ist das für den Beckenboden wichtig?
Während der Austreibungsphase müssen Gebärmutter, Bauchwand, Zwerchfell und Beckenboden zusammenarbeiten. Gleichzeitig muss sich der Beckenboden an das Tiefertreten des Kindes anpassen.
Studien zeigen, dass eine PDA die Austreibungsphase verlängern kann. Bei älteren, höher dosierten Verfahren wurden außerdem häufiger instrumentelle Geburten beobachtet.
Gerade Geburten mit Saugglocke oder Zange sind mit einem erhöhten Risiko für bestimmte schwere Damm- und Schließmuskelverletzungen verbunden.
Aber hier müssen wir wissenschaftlich sauber unterscheiden:
Eine PDA verursacht nicht automatisch Geburtsverletzungen. Auch ein genereller Anstieg schwerer Dammverletzungen durch die PDA ist nicht eindeutig nachgewiesen.
Aus osteopathischer Sicht interessieren mich besonders die Bewegungsfreiheit, die Druckregulation und das funktionelle Zusammenspiel von Bauchwand und Beckenboden.
Mein Standpunkt:
Eine PDA ist weder grundsätzlich schlecht noch eine Maßnahme ohne mögliche Nebenwirkungen.
Sie sollte bewusst eingesetzt werden – mit verständlicher Aufklärung über Nutzen, Risiken und Alternativen sowie unter Berücksichtigung der Wünsche der Frau.
Denn gute Geburtshilfe bedeutet nicht nur Schmerzlinderung, sondern auch, die Physiologie der Geburt und die Selbstbestimmung der Frau ernst zu nehmen.