07/08/2026
QIGONG - Aktive Pflege der Lebensenergie - Jeden Donnerstag von 9:00 - 10:15 Uhr in der Stanglmeier Halle
Zwar liegt der Schwerpunkt des Qi Gong - Anwendung in der Prophylaxe und Gesunderhaltung, aber in zunehmendem Maße werden diese Übungen auch erfolgreich zur Behandlung chronischer Erkrankungen eingesetzt.
Qi Gong ist ein aus der traditionellen chinesischen Medizin stammender Schatz an Übungssystemen für ein gesundes, langes Leben. Wesentliches Ziel ist die Harmonisierung der Lebensenergie ("Qi") mittels bestimmter Körperhaltungen und -bewegungen, Atmung und geistiger Übung.
Im Gegensatz zur Akupunktur und medikamentöser Therapie ist Qi Gong kein Therapeutikum, das dem Menschen von außen zugeführt wird, vielmehr ist es die eigene Übung, die gesunde, physiologische Prozesse fördert und pathologische Prozesse im Sinne einer Regulierung beeinflusst. Grundsätzlich ist Qigong, Taijiquan und Akupressur eines gemeinsam: Es handelt sich um Techniken, mit denen der Mensch sein Qi (vitale Energie) selbst beeinflussen kann.
Dem Begriff Qi kommt nicht nur in der chinesischen Medizin, sondern auch in der Philosophie, Malerei und auch sonst in fast jedem Bereich der chinesischen Kultur enorme Bedeutung zu. Dies spiegelt sich bereits in der breitgefächerten Bedeutung des chinesischen Schriftzeichens Qi wieder, die von Dampf, Wolke, Atem, Nahrung bis hin zu Kommunikation mit den im Kosmos immanenten Kräften reicht. Allen diesen Bedeutungen ist das Moment des Durchdringens, Strömens, Sich-Verbreitens gemein. So bewegt sich das Qi gemäß der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) auch in Leitbahnen durch den menschlichen Körper und durchzieht ihn, wie Flüsse und Seen eine Landschaft durchströmen. Nach den Vorstellungen der chinesischen Medizin hat Qi in der Physiologie des menschlichen Körpers aktivierende und bewegende Eigenschaften mit folgenden 5 Hauptfunktionen: 1. Qi ist der Ursprung aller Bewegungen im Körper, unterhält alle physiologischen Aktivitäten, sorgt für Wachstum, Entwicklung und Stoffwechsel. 2. Qi wärmt alle Körperorgane, d.h. Qi ist die treibende Kraft, die die Funktion der einzelnen Organe ermöglicht. 3. Qi bildet die Körperabwehr, wobei spezielle Anteile des Qi - das Abwehr-Qi - das Eindringen schädlicher Einflüsse in den Körper verhindern. 4. Qi hilft den Organen bei der Aufnahme und Umformung der von außen angebotenen Nährstoffe, der Herstellung und Verteilung aller Körperenergien - wie Qi, Blut und Säfte - und der Ausscheidung verbrauchter Energien oder Abfallstoffe. 5. Qi hält das Blut in den Adern und hält die Organe nach oben gegen die Schwerkraft.
Etwas vereinfacht lässt sich sagen, dass der Begriff Qi die aktiven energetischen Prozesse im Menschen bezeichnet. Der ungehinderte Fluss des Qi und der harmonische Umgang damit wurde in China stets als Grundvoraussetzung für Gesundheit und Vitalität angesehen.
DIE DREI HAUPTKOMPONENTE
Im Gegensatz zur Akupunktur oder Arzneimitteltherapie der TCM erfordern die diversen Qigong-Techniken keine äußere Anwendung von Nadeln oder Moxa durch einen Therapeuten oder die Einnahme von Arzneimitteln. Der Übende versucht vielmehr selbst, das Qi in seinem Körper zu spüren und es entsprechend durch diesen zu leiten. Dies geschieht im wesentlichen durch drei Faktoren:
1. durch eine spezielle Atemführung (Atmung als ein Aspekt des Qi)
2. durch Körperhaltung und -bewegung
3. durch geistig Übung (Konzentration, Vorstellungskraft oder geistige Leere)
Diese drei Hauptkomponenten des Qigong ermöglichen es dem Übenden, das Qi in seinem Körper zu leiten, Blockaden im Qi-Fluss zu beseitigen und auf diese Weise Krankheiten vorzubeugen oder sie zu behandeln. Grundsätzlich kommen bei jeder Qigong- oder Taiji-Übung und auch bei der Akupressur alle drei Hauptkomponenten zum Tragen; allerdings kann die Gewichtung unterschiedlich sein.
Der Begriff Qigong selbst ist in China erst seit den fünfziger Jahren gebräuchlich. Früher wurden alle diese Übungen unter dem Begriff Yangsheng (Techniken zur Lebenspflege) zusammengefasst. Das moderne Qigong kann zunächst in das sogenannte Harte und das Weiche Qigong unterschieden werden. Beim Harten Qigong wird das Qi im wesentlichen zur äußeren Panzerung eingesetzt. Dies kann im Extremfall für akrobatische Höchstleistungen eingesetzt werden, wenn sich z.B. ein Mann von einem Lastwagen überfahren lässt.
Das Weiche Qigong wird hingegen überwiegend für therapeutische Zwecke eingesetzt. Die weichen Qigong-Übungen lassen sich wiederum unterteilen in Techniken zur Selbsttherapie und Techniken zur Therapierung anderer.
QIGONG FORMEN
Qigong-Übungen in Ruhe
Die Übungen in Ruhe können nach den Bedürfnissen der Personen entweder im Liegen, im Sitzen oder im Stehen ausgeführt werden. Gemeinsam ist allen diesen Übungen, dass der Patient zunächst zu innerer Ruhe und Entspannung zu gelangen versucht.
Ist ihm das gelungen, folgen Übungen, bei denen sich die Konzentration hauptsächlich auf die Atmung richtet. Fließt die Atmung wie von selbst in der gewünschten Weise, konzentriert sich der Übende auf das Dantian, das einige Zentimeter unterhalb des Nabels liegt, und versucht mittels Konzentration und tiefer Atmung, das Qi dorthin zu lenken.
Dies darf nun jedoch nicht dahingehend missverstanden werden, dass die Übungen in Ruhe zu einem totalen Stillstand oder völliger Bewegungslosigkeit führen. Während nach außen hin zwar die Ruhe vorherrscht, widmet sich der Übende innerlich ganz der Bewegung des Qi-Flusses, der vom Dantian in bestimmte Leitbahnen und Kreisläufe zu strömen beginnt.
Qigong-Übungen in Bewegung
Die Übungen in Bewegung unterscheiden sich von den Übungen in Ruhe durch die in den Raum greifenden Bewegungen. Dabei wirkt die Bewegung unterstützend auf den Qi-Fluss ein. Die körperlichen Bewegungen werden zumeist langsam und weich vollzogen; sie wirken aber weder schlaff noch ruckartig. Mit jeder Bewegung geht eine genaue, meistens bildhafte Vorstellung einher, wie das Qi durch den Körper fließt und welche Leitbahnen, Körperzonen oder Akupunkturpunkte durch diese Bewegung besonders angesprochen werden.
So vielfältig die verschiedenen Arten des Donggong sind, so breit ist auch ihr therapeutisches Wirkungsfeld. Allgemein werden sie in China bei fast allen chronischen Krankheiten als zusätzliche Therapie eingesetzt, vor allem bei Erkrankungen des Verdauungstraktes, der Atemwege, bei neurologischen Krankheiten sowie bei Herz-, Kreislauf- und Gelenkbeschwerden.
Qi-Übertragung
Bei der Therapierung anderer, dem sogenannten Aussenden oder Entwickeln des Äußeren Qi (Fa Waiqi), lässt der Therapeut sein eigenes Qi meist mittels der Hände auf den Patienten übergehen, um diesem Qi zuzuführen oder Blockaden in seinen Leitbahnen zu lösen. Dies kann auch durch Massage oder Akupressur erfolgen. Grundvoraussetzung für das Aussenden von Qi ist allerdings, dass der Therapeut mit Hilfe spezieller Übungen sein Qi stark entwickelt hat. Diese Methode ist in China gegenwärtig sehr populär, und fast jede größere Klinik für TCM besitzt inzwischen eine Qigong-Abteilung. Qigong ist aber vor allem eine Selbsttherapie. Die zahlreichen hierbei zum Einsatz gelangenden Techniken, die sich aus der langen, bis auf das 6. Jh.v.Chr. zurückreichenden Tradition bis heute erhalten konnten oder in jüngster Zeit auf der Grundlage dieser reichhaltigen Überlieferung neu entwickelt wurden, lassen sich in „Übungen in Ruhe" (Jinggong) und „Übungen in Bewegung" (Donggong) unterteilen.
Spontanes Qigong
Der Vollständigkeit halber sollte noch eine Untergruppe des Donggong Erwähnung finden, die Mitte bis Ende der achtziger Jahre einen wahren Qigong-Boom eingeleitet hat. Es sind dies die Übungen mit unwillkürlichen, spontanen Bewegungen (Zifagong). Der Übende praktiziert dabei zunächst über einen längeren Zeitraum hinweg, der sich oft über ein Jahr erstrecken kann, bestimmte festgelegte Übungen in Bewegung. Erst wenn der Praktizierende diese festgelegten Übungen in Bewegung beherrscht, übt er die dazugehörigen Stärkungsübungen im Stehen (Zhanzhuang Gong), die zu den Übungen in Ruhe gehören. Dabei konzentriert er sich im Stehen auf bestimmte Bereiche unterhalb des Nabels, bis er ganz zur Ruhe kommt. Aus dieser völligen Ruhe heraus entsteht schließlich eine extrem starke Bewegtheit des Inneren Qi, die sich in den Gliedmaßen entlädt, so dass es von innen heraus ohne bewusstes Zutun zu teils heftigen, spontanen jedoch kontrollierbaren Bewegungen kommt.
Durch die so hervorgerufenen schüttelnden, kreisenden, hüpfenden usw. Bewegungen werden etwaige Blockaden des Qi-Flusses in den Leitbahnen schnell und effektiv gelöst.